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Von:
Jessica Gilster dpa, impulse online 29.10.2007, Ostseezeitung 3./4.11.2007
Das
Haus zum Latte Macchiato: Toskana-Stil erobert Deutschland
Bad
Honnef/Dresden (dpa/tmn) - Ein modernes Café in
Deutschlands Metropolen, das keinen Latte Macchiato auf der Karte
hat, ist kaum noch überlebensfähig . Der italienische
Lebensstil ist nach wie vor Trend. Kein Wunder, dass auch deutsche
Bauherren von Italien träumen. Ob im fränkischen
Herzogenaurach oder auf der Ostseeinsel Rügen: Sogenannte
Toskana-Häuser sollen für Mittelmeer-Flair sorgen.
«
Die Bauherren wollen den Lebensstil, den sie im Urlaub kennen und
schätzen gelernt haben, nach Hause bringen », sagt
Christoph Windscheif vom Bundesverband deutscher Fertigbau (BDF)
in Bad Honnef. Viele Anbieter von Fertighäusern sind in den
vergangenen Jahren auf den italienischen Zug aufgesprungen.
«
Unsere Häuser im Toskana-Stil werden derzeit am stärksten
nachgefragt », sagt André Janssen vom Unternehmen
Kampa in Minden. Die Kunden versuchten so, ein Stück Süden
nach Hause zu holen. Olaf Zerback aus Cottbus gründete aus
diesem Gedanken heraus sogar seine Firma Mediterran Haus. Das
Unternehmen verwendet innen und außen viele original
mediterrane Materialien. Zum Beispiel werden die Häuser nicht
klassisch deutsch verputzt und dann in Apricot-Farben
angestrichen. Stattdessen kommt sogenannter Terracotta-Putz aus
dem Mittelmeerraum zum Einsatz.
Häuser im Toskana-Stil
gibt es in den verschiedensten Ausführungen. Manchen
Bauherren reicht schon ein rötlich gestrichenes Haus. «Häufig
sieht man Kombinationen aus dem regional vorherrschenden und dem
mediterranen Stil», erklärt Windscheif. So findet man
in Norddeutschland vereinzelt auch im mediterranen Stil gebaute
Häuser, die außen verklinkert sind. Typische
Merkmale für ein Haus im Toskana-Stil sind laut dem
Fertighaus-Experten neben dem quadratischen Grundriss warme
Farben, bodentiefe Fenster und ein für deutsche Verhältnisse
wenig geneigtes Zeltdach. Ins Auge fällt der repräsentative
Eingangsbereich: « Oft ist es ein überdachter
Hauseingang mit Säulen und einem massiven Balkon.
»
«Merkwürdig ist nur, dass unter dem
Begriff Toskana-Häuser oft Häuser mit Stilelemente ganz
unterschiedlicher Herkunft gemeint sind», sagt Hans-Georg
Lippert, Architekt und Professor für Baugeschichte an der
Technischen Universität Dresden. So stammten die bodentiefen
Fenster eigentlich aus Frankreich. Die Säulen seien typisch
für jede Villenarchitektur.
Grundsätzlich ist
unter den Architekten die Diskussion entbrannt, ob ortsuntypische
Baustile überhaupt nach Deutschland gebracht werden
sollten. Andrés Bäppler, Architekt aus
Frankfurt/Main, ist durchaus ein Anhänger klassischer
Toskana-Häuser, jedoch nur in dem italienischen Landstrich
selbst. Hierzulande steht er dem Trend kritisch gegenüber und
befürchtet einen Identitätsverlust der Architektur. Von
einer gewissen Verantwortung der Architekten für die
Baukultur des Landes spricht auch Stefan Schaufert, Architekt aus
Rostock: « Ein Neubau sollte nicht nur der Zeit, sondern
auch dem Ort gerecht werden.»
Ich habe kein
Problem damit, Baustile zu mischen, Dinge in neuer Form
zusammenzustellen und sie zu überregionalisieren, solange es
hinterher nicht nach Disney World aussieht», urteilt
Hans-Georg Lippert. Dass man durch den Baustil allerdings ein
fremdes Lebensgefühl verpflanzen kann, kann er sich nicht
vorstellen.
dpa/tmn jg sc cf cr
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